17
Sep
2014
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Warum essen Männer so gerne Fleisch?

Frauen knab­bern am Salat, Män­ner hinge­gen brauchen ihr Fleisch – so zumin­d­est das Klis­chee. Wir erk­lären, was die Steinzeit damit zu tun hat und wieso in puncto Fleisch für die Her­ren der Schöp­fung vieles pure Ein­bil­dung is(s)t.

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Laut der aktuellen Verzehrsstudie des Max-Rubner-Instituts essen deutsche Män­ner im Ver­gle­ich zu Frauen dop­pelt so viel Fleisch. Dabei unter­schei­den sich die Geschlechter phys­i­ol­o­gisch eigentlich kaum. Klar, Män­ner haben meist mehr Muskel­masse, aber müssen sie deswe­gen wirk­lich so viel mehr Fleisch zu sich nehmen? Diese Frage ist vor allem vor dem Hin­ter­grund berechtigt, da es viele pflan­zliche Pro­tein­quellen als Alter­na­tiven gibt – wie Milch­pro­dukte, Hülsen­früchte oder Nüsse.

Erst durch Fleisch zum echten Mann

Ver­wurzelt ist der männliche Gusto auf Fleisch tat­säch­lich tief in den Genen. So waren es in der Steinzeit die Män­ner, die tage­lang durch die Wild­nis streiften und jagten, um die Fam­i­lien zu ernähren. Die erlegte tierische Nahrung diente als Energiequelle für den kräftezehren­den All­tag. Doch hatte das Fleisch nicht nur eine nahrhafte, son­dern beson­ders für die Män­ner auch eine tief psy­chol­o­gis­che Bedeu­tung – es stellte den Sieg über die Natur und das Wilde dar und galt als Inbe­griff von Lebenskraft.

Fleisch ist sein Gemüse

Von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion wurde das Bild vom fleis­chessenden Fam­i­lienober­haupt über­liefert. Inzwis­chen ist es kul­turell so tief ver­ankert, dass Jun­gen heute noch von klein auf dahin erzo­gen wer­den, Fleisch gehöre regelmäßig auf den Teller, um groß und stark zu wer­den. Eine Reihe von Exper­i­menten, die im Rah­men einer Studie des Jour­nal of Con­sumer Research 2012 durchge­führt wur­den, zeigte, dass Steaks und Ham­burger als die männlich­sten Lebens­mit­tel über­haupt gel­ten – während Gemüse oder Schoko­lade mit dem weib­lichen Geschlecht assozi­iert wer­den. Auch wur­den Män­ner, die regelmäßig Fleisch essen, als deut­lich masku­liner eingestuft als solche, die sich veg­e­tarisch ernähren.

Am Grill wird Mann zum Chef

Mann isst nicht nur gerne sein Steak oder seinen Braten, son­dern er zele­bri­ert auch dessen Zubere­itung regel­recht. Nicht umsonst lautet der Titel eines deutschen Kochmagazins fürs starke Geschlecht “Beef”. So mag Mann vielle­icht nicht die Kartof­feln kochen oder den Salat zubere­iten, wenn es jedoch um den Grill geht, schnürt er sich mit Vergnü­gen die Schürze um und präsen­tiert seine Gril­lkün­ste – und das natür­lich am lieb­sten vor Publikum.

Klis­chee adé!

Die männliche Fleis­chlust lässt sich also zum Teil durch den evo­lu­tions­be­d­ingten Urin­stinkt erk­lären, als auch durch die Jahrtausende lange tiefe kul­turelle Ver­ankerung. Doch ger­ade in der heuti­gen Zeit, in der Steaks oder Häh­nchen ohne energier­aubende Jagd für Dump­ing­preise im Super­markt erhältlich sind, ist das Klis­chee der Männlichkeit durch Fleisch längst über­holt. Es gibt eine Reihe von Stu­dien, die einen hohen Fleis­chkon­sum mit diversen Krankheiten in Assozi­a­tion brin­gen. Was also ist verkehrt an einem ernährungs­be­wussten Mann, der weniger Fleisch isst? Nichts! Denn ein Tofu-Burger ist mit­tler­weile genauso männlich wie ein Hamburger.

photo credit: Pep­per­corn Beef Shoul­der Filet Steak | Photo credit: Mike John­son — TheBusyBrain.com, Flickr, Cre­ative Commons

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