21
Okt
2014
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Superfood – oder der neue Star am Buzzword-Himmel

Sie nähren, vital­isieren und ver­jün­gen – Super­foods wer­den unglaublich viele Wun­der­wirkun­gen zuge­sprochen. Doch sind sie wirk­lich so super, wie ihr Name verspricht?

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Super­foods gehört wohl zu den meist genutzten Begrif­fen des Jahres 2014. Und das nicht nur unter Food­blog­gern und Gesund­heits­fa­natik­ern — inzwis­chen wird die Beze­ich­nung infla­tionär ver­wen­det und lächelt uns von fast jeder drit­ten Ver­pack­un­gen im Super­markt ent­ge­gen. Doch was macht Avo­cado, Chia-Samen, Blaubeeren und Co. eigentlich aus? Haben sie wirk­lich Superkräfte? Hier erfahrt ihr es.

 

Keine offizielle Def­i­n­i­tion für Superfoods

Eine genaue Def­i­n­i­tion des Begriffes Super­food gibt es nicht. Die Inter­ne­trecherche in sowohl englis­cher, als auch deutschsprachiger Lit­er­atur ver­läuft eher ent­täuschend: die meis­ten Angaben stam­men von gewerblichen Anbi­etern oder Einzelper­so­nen, wis­senschaftlich fundierte Aus­sagen fehlen. Das Europäis­che Infor­ma­tion­szen­trum für Lebens­mit­tel (EUFIC) bestätigt das Fehlen einer rechtlich binden­den Def­i­n­i­tion. Am ver­lässlich­sten erscheint mir dann doch noch der Wort­laut im Mer­riam Web­ster, dem amerikanis­chen Pen­dant zum Brock­haus: Ein Super­food ist “ein äußert nährstof­fre­iches Nahrungsmit­tel, voll­gepackt mit Vit­a­mi­nen, Min­er­alien, Bal­last­stof­fen, Antiox­i­dantien und Phytonährstoffen.“

 

Super­foods ver­wöh­nen und stärken uns

Klingt auf jeden Fall gut. Und stim­men tut es auch — für viele der Super­foods zumin­d­est. So haben Avo­ca­dos wahrhaftig eine beachtliche Menge an herzge­sun­den Omega-3-Fettsäuren, Brun­nenkresse einen hohen Gehalt an antiox­ida­tiv wirk­en­dem EPGC und Chia-Samen reich­lich ungesät­tigte Fettsäuren sowohl als auch viele Bal­last­stoffe, die lan­gan­hal­tend sät­ti­gen. Alles schön und gut. Doch wirk­lich Frieden schließen kann ich mit der Beze­ich­nung Super­foods den­noch immer noch nicht. Denn es han­delt sich hier­bei um nor­male Lebens­mit­tel, die schon seit Jahrhun­derten existieren und von der Men­schheit genutzt und ver­speist wer­den. Bei uns in der west­lichen Welt, haben sie erst in den let­zten Jahrzehn­ten, bestärkt durch die Glob­al­isierung, an Bekan­ntheit gewon­nen und erscheinen dadurch neuar­tig und aufre­gend. So ist die Ver­wen­dung des Prä­fix „super“ hier­bei bloße Übertrei­bung, es ver­mit­telt das Image eines Nahrungsmit­tels mit schützen­den Superkräften. Auf geset­zlicher Ebene gibt es bisher noch keine Reg­ulierun­gen für die Ver­wen­dung des Begriffes Super­food. Und so wird er inzwis­chen ubiq­ui­tär eige­setzt. Vor kurzem habe ich in einer Bäck­erei ein Weißbrot mit Rosi­nen als „Super­food Brot“ deklar­i­ert gese­hen. Weder am Weißmehl, noch an den Rosi­nen ist etwas Gesund­heits­fördern­des zu ent­decken. Beide treiben den Blutzuck­er­spiegel unnötig schnell in die Höhe und begün­sti­gen das Risiko für Dia­betes– und fol­glich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
 

Sind Super­foods denn nun gesund?

Wenn es sich um rein pflan­zliche unver­ar­beit­ete Lebens­mit­tel han­delt, ja. Haben Super­foods auch Superkräfte? Defin­i­tiv nein. Denn am Ende des Tages sind Super­foods nichts anderes als gewöhn­liche Lebens­mit­tel, die aus fer­nen Län­dern stam­men, exo­tisch wirken und uns das Gefühl ver­mit­teln, etwas Beson­deres auf den Teller zu bekom­men. Fakt jedoch ist: ob pflan­zlich oder tierischen Ursprungs, jedes Nahrungsmit­tel kann in seiner ganz eige­nen Weise mit seinen Inhaltsstof­fen zu einer gesund­heits­fördern­den Ernährung beitra­gen, Prä­fix super hin oder her. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bein­hal­tet eine aus­ge­wo­gene Ernährung mit Lebens­mit­teln, die im reg­ulären Super­markt zu erwer­ben sind und für die kein Super­food Auf­schlag gezahlt wer­den muss. Meiner Mei­n­ung nach ist es nie­man­dem unter­sagt, den Speise­plan mit der ein oder anderen exo­tis­chen Zutat aufzu­pep­pen, doch dann bitte mit dem Wis­sen, das auch diese Pro­dukte „nur“ Lebens­mit­tel sind und ähn­liche Nährstoff­pro­file wie unsere heimis­chen Getrei­des­orten Ger­ste und Dinkel, unsere Legu­mi­nosen Erb­sen oder unsere knack­i­gen Äpfel aus dem Garten haben. Und der Haupt­fokus unserer Ernährung sollte weit­er­hin bei saisonalen und regionalen Zutaten liegen – die sind näm­lich nicht nur meist preis­lich gün­stiger als Super­foods, son­dern tra­gen auch zu einer ökol­o­gisch vertret­baren Land­wirtschaft bei und lassen sich mit gutem Gewis­sen genießen.

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